Hammerbrook - eine Zwischenwelt

"1867 lebten 10.000 Einwohner auf dem Hammerbrook, 1910 waren es bereits über 60.000." (Quelle). Heute hat der kleine zentral gelegene Stadtteil vermutlich rund 7.000 Einwohner.

Um Hammerbrook zu verstehen, ist zu berücksichtigen, dass die Deutschen im zweiten Weltkrieg rund acht Monate eine Luftschlacht um England führten und sich dabei auf London und die Zivilbevölkerung konzentrierten - die Engländer nannten es The Blitz.

Die britischen Luftstreitkräfte antworteten mit Bombardements deutscher Städte - der schlimmsten Schlag traf Hamburg und seine Arbeiter-Viertel mit der Operation Gomorrha:

 


Von Südwesten bis Nordwesten grenzen an den Stadtteil Hammerbrook die Stadtteile Hafencity, HH-Altstadt & St. Georg, in denen Personen mit mittlerem und hohem Einkommen wohnen, während sich von Südosten bis Nordosten die Stadtteile Rothenburgsort, Hamm & Borgfelde mit geringem bis mittlerem Einkommen befinden - die Tennisanlage befindet sich neben dem roten Punkt:

Hamburg Mitte - arm und reich


Für die Farben der Grafik gilt: je blauer, desto höher das Einkommen und je roter, desto geringer das Einkommen und schließlich je stärker der Farbton, desto mehr Haushalte. (Quelle)

Im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt leben hier deutlich mehr Ausländer/innen, mehr Arbeitslose und SGB II Leistungsempfänger sowie mehr unter 15jährige in Mindestsicherung.

In den Kanälen siedeln sich zunehmend Hausboote an, die sich nur Menschen mit hohem Einkommen und/oder Vermögen leisten können. Zudem gibt es ein Areal, das sich Hammerbrooklyn nennt und als eine Inkubator- und Start-Up-Szene versteht und dessen städtebauliche Entwicklung noch im Prozess ist. Hammerbrooklyn ist zugleich auch der Name einer Kunstgalerie:

 


Es sind insgesamt fünf Planverfahren im Stadtteil Hammerbrook, die auf der Seite des Bezirksamtes Mitte zu finden sind:

Hammerbrook 9 - Sicherung des Alster-Elbe-Grünzugs

Hammerbrook 10 - Wohnen und Arbeiten am Sonninkanal

Hammerbrook 12 – Sonninpark

Hammerbrook 14 - Hammerbrooklyn - Digitaler Campus

Hammerbrook 15 - Bürostandort Spaldingstraße / Albertstraße

Der Stadtteil befindet sich also in einem interessanten Wandlungsprozess. Geplant ist unter anderem der "Brückenschlag zur HafenCity mit dem Oberhafenquartier" (Quelle).

Zum Stadtteil gehört auch der 2014 gegründete Techno-Club Südpol (Kulturelles Neuland - Keimzelle für künstlerische Zonen e.V.).

Nachdem der Club nach Corona in ernsten finanziellen Schwierigkeiten steckte, drohte ihm nun - ein Jahr nach der Jubiläumsfeier - erneut das Aus wegen finanziellen Notstands. Mit einer Crowdfunding-Kampagne hat die Community den Club zum Jahresende gerettet, so dass zum Januar 2026 ein Neustart möglich wurde.

Der Verein Kulturelles Neuland hat bereits bei Gründung des Südpol die Vision gehabt, dass das Gewerbegebiet Hammerbrook, das ab 17 Uhr nahezu menschenleer wird, sich zu einem Stadtteil entwickeln wird, der später einmal eine kulturelle Bedeutung haben wird - daran arbeitet der Verein bis heute und in der Zukunft.

Ein Meilenstein war 2019 der auf der Bezirksversammlung beschlossene Bestandsschutz des gesamten Kreativ- und Kunst-Campus mit der Nutzungsart "Kreativ, Kunst und Kultur mit Versammlungsstätte". Die an die Gebäude angrenzenden Grünflächen sollen "im angemessenen Umfang für eine Sondernutzung zu künstlerischen oder kreativen Zwecken ausgewiesen werden".

Inzwischen ist der neu entstandene Stadteil Hafencity fast fertig und mit ihm sind auch Studentenwohnheime in Hammerbrook entstanden.

 


Im The Fizz zahlen Studierende für möblierte Zimmer von 17-25m² zwischen 700 bis 1.000 Euro.

Auch die Graffiti-Szene hat den Stadtteil für sich entdeckt:

 


Neben dem Verein Kulturelles Neuland - Keimzelle für künstlerische Zonen ist Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur eine rührige Initiative - die Webseite beinhaltet ein weites Spektrum verschiedener Aktivitäten. Eine dieser Aktivitäten ist das Projekt-Netzwerk PARKS, für das eigentlich nur eine Lebensdauer von einigen Monaten im Jahr 2019 vorgesehen war, welches aber noch heute existiert und in einem kleinen Backsteingebäude am Bullerdeich beheimatet ist.

Es zeigt sich also, dass es in Hammerbrook nicht mehr so menschenleer ist wie noch vor einer Dekade.

Außerdem tobt bereits seit 1980 ab 17 Uhr das Leben auf der Tennisanlage.


„Vor dem Zweiten Weltkrieg war Hammerbrook einer der wichtigsten Wohnstadtteile Hamburgs. Seit dem Wiederaufbau wird er von Büro- und Gewerbenutzung dominiert.“ Es entwickelt sich eine Künstlerszene und es entstehen Handwerksbetriebe. Trotz der geringen Einwohnerzahl sind mehrere Sportangebote zu finden:
„So ist der Betriebssportverband Hamburg mit seiner Tennisfreiluftanlage und Tennishalle sowie einer Indoor-Golfanlage und seinen Geschäftsräumen in dem Stadtteil beheimatet. Ebenso befindet sich in unmittelbarer Nähe die bezirkliche Oskar-Keßlau-Sportanlage, auf der sich der Sporting Clube de Hamburg von 1983 e.V., der Africa Talents Football Club, Somali Community Hamburg und der Betriebssportverband Hamburg die Zeiten für den Trainings- und Spielbetrieb im Fußball teilen. Ebenso befindet sich dort die bezirkliche Sportanlage Wendenstraße, die die Fußballvereine FC Elazigspor und Hamburg Fatihspor sowie der Betriebssportverband Hamburg für den Trainings- und Spielbetrieb nutzen. In der schulischen Dreifeldhalle Sorbenstraße gehen zudem der SC Hamm 02 die Hamburger Turnerschaft sowie die Kroatische Kulturgemeinschaft dem Handballsport nach. Zudem bietet der Verein Sportspaß in dieser Halle Badminton und Volleyball sowie die Elbspeeders Speed-Badminton an. […] Außerdem befinden sich die Oskar-Keßlau-Sportanlage sowie die Sportanlage Wendenstraße in Hammerbrook. Durch Wohnungsbauvorhaben (geplant ist die Schaffung von rd. 2.600 Wohneinheiten, was einem Zuwachs der Bevölkerung von ca. 5.700 Bewohnerinnen und Bewohnern entspricht) wird mit einem Zuwachs der Bevölkerung um ca. 145% gerechnet. Durch den Alster-Elbe-Bille-Grünzug wird zudem eine durchgängige grüne Verbindung zwischen Alster und Elbe in Teilabschnitten (u. a. Park am Hochwasserbassin) realisiert, welche eine hohe Bedeutung für die Grünvernetzung, die Erholungsqualität oder als Fuß- und Radwegeverbindung aufweist. Durch dieses Vorhaben wird der Erholungs- und Freizeitwert in dem bisher sehr durch Gewerbe dominierten Stadtteil erhöht und die Menschen dazu animiert sich vor Ort draußen zu bewegen und in der Freizeit nicht in andere Sozialräume zu gehen. Die Projektidee Nr. 36 „Sport- und Bewegungsraum im Park am Hochwasserbassin“, die für diesen Sozialraum eingebracht wurde, möchte an der o.g. Entwicklungsplanung anknüpfen. Vorgesehen ist die Stärkung des vereinsungebundenen Sports im öffentlichen Raum durch entsprechende Gestaltung des Außenraums.“

(Quelle: Mitte machen - Sport, Bewegung und soziale Infrastruktur im Hamburger Osten (2021: 14f)

Der letzte Satz verweist auf vereinsungebundenen Sport im öffentlichen Raum. Unser Tennisverein ist das Gegenteil - vereinsgebunden in einem nicht-öffentlichen Raum, weil eingezäunt. Das ist wichtig im Zusammenhang des Gesamtgebildes der Sportangebote im Stadtteil.
„Der Sport ist ein sozialer Anker und „Klebstoff“ mit einer hohen integrativen Kraft, der in Zeiten von sich verändernden Sozialräumen, durch Wachstum der Bevölkerung und deren steigender Heterogenität im Quartier benötigt wird.“ (ebd., S. 20)